„His Master´s Voice“
Das Bild „His Master’s Voice“ von Francis Barraud zeigt den Terrier Nipper vor einem Grammophon und wurde 1899 von der Gramophone Company als Markenzeichen übernommen. Es zierte unter anderem Schellackplatten, etwa eine von 1929 aus der Tschechoslowakei. Nipper gilt bis heute als eines der bekanntesten Symbole der Musik- und Schallplattenindustrie.
Wer kennt ihn nicht, den Hund, der mit leicht schräg geneigtem Kopf vor einem Grammophon sitzend andächtig demKlang einer Schellackplatte lauscht? Hier seine Geschichte:
Der Britische Maler Francis James Barraud übernahm von seinem verstorbenen Bruder Mark im Jahre 1887 dessen Terrier. Sein Name: Nipper (von engl. to nip: zwicken, kneifen). Der Hund hatte die unangenehme Angewohnheit, Gästen des Hauses spontan von hinten in die Wade zu beißen.
Barraud besaß einen Edison´schen Phonographen, welcher in seinem Atelier von Zeit zu Zeit mit Musik von der Tonwalze zur Entspannung des Malers bei seiner Arbeit beitrug. Vor diesem Hintergrund entstand das heute noch berühmte Bild in seiner Urform: Nipper vor dem grauen Phonographentrichter. Es ist nicht eindeutig geklärt, ob der Hund hier tatsächlich der zuvor aufgenommenen Stimme seines Herrn zuhört oder ob das Bild der Fantasie des Malers entsprang, denn Nipper saß häufig ebenfalls mit leicht schräger Kopfhaltung vor der Tür und hoffte vergeblich auf das Eintreffen seines vorherigen verstorbenen Herrchens.
Welche Version nun der Wahrheit entspricht ist an dieser Stelle nicht wirklich entscheidend. Fakt ist vielmehr, dass Herr Barraud sein Gemälde zunächst vergeblich versuchte zu veräußern. Nicht einmal die Edison-Bell-Company, immerhin Hersteller des abgebildeten Phonographen, war interessiert. Der Direktor der Firma fand das Gemälde albern und hielt es somit als Werbeträger für ungeeignet.
Barraud jedoch glaubte weiterhin fest an die Möglichkeit der Vermarktung im noch jungen und expandierenden Geschäft der Tonträger. Und so veränderte er sein Kunstwerk: den schlichten grauen Phonographentrichter colorierte er messingfarben, die Sprechmaschine selbst übermalte er mit einem Grammophon, welches er sich zuvor als Vorlage bei der Gramophone Company ausgeliehen hatte. Und diese war von dem Ergebnis begeistert. Emile Berliners Firma erwarb das Gemälde des Künstlers im Jahr 1899 für 50 Pfund, weitere 50 Pfund zahlte sie Herrn Barraud für die Übertragung sämtlicher Rechte an dem Bild. Info: 100 Pfund lagen 1899 über dem Jahreslohn eines Facharbeiters – für Barraud war diese Zahlung daher ein ausgesprochen bedeutender Betrag.
So entstand eines der weltweit bekanntesten Markenzeichen der Industriegeschichte.
Nipper starb 1895 im Alter von 11 Jahren. Er wurde in Kingston upon Thames im Südwesten Londons beigesetzt. An dieser Stelle befindet sich heute der Parkplatz einer Bank, welche in ihrem Eingangsbereich eine entsprechende Gedenktafel an einen der weltweit wohl berühmtesten Hunde präsentiert.
Barrauds Originalgemälde hängt heute in einem Büro der Electric and Musical Industries (EMI) in London. Man soll darauf relativ deutlich erkennen können, dass Edison´s Phonograph nachträglich mit einem Grammophon übermalt wurde.