Direct-To-Disc, was ist das denn nun wieder?
Der sogenannte Direktschnitt führt uns zurück in die Anfangszeit der Aufnahmetechnik, ans Ende des 19. Jahrhunderts. Damals legte Emil Berliner den Grundstein für die Produktion von Schallplatten. Es gab seinerzeit noch keine Magnetbandgeräte, mit deren Hilfe akustische Darbietungen aufgezeichnet, korrigiert und geschnitten werden konnten, um die finale Abmischung, sprich: „das Mastertape“ herzustellen und dieses dann nach Abschluss der Studioarbeiten für den Schnitt in die Lackfolie, die Urversion für die spätere Schallplattenproduktion zu verwenden.
Die hier vorgestellte Schallplatte „A Song Was Born“ von der Kopenhagener „Papa Bue´s Viking Jazz Band“ ist ein Direktschnitt.
-> absolut authentisch: denn die Künstler präsentieren wie in einem LIVE-Konzert all ihr musikalisches Können. Einmal verspielt bedeutet, das ganze bitte noch einmal ganz von vorne.
-> absolut analog: ohne digitale oder andere technische Manipulation welcher Art auch immer.
-> absolut unverfälscht: das Instrument, die Stimme, die Musik wird über das Mikrofon direkt auf die Schallplatte gebannt.
Das Ergebnis ist ein musikalisches Erlebnis mit Gänsehautfeeling.
Eine der bekanntesten Direct-To-Disc Produktionen ist das Album „Knock Out“ des Schweizer Schlagzeugers Charly Antolini aus dem Jahre 1979. Hier wurde die HiFi-Hardware auf eine extrem harte Probe gestellt. Wer aus lauter Begeisterung zu unvorsichtig mit dem Lautstärkeregler umging, erlebte gerne mal durchgebrannte Verstärkerendstufen oder zerfetzte Lautsprechermembranen. Diese Platte ging als potentieller Boxenkiller in die Vinylgeschichte ein.
Ich gebe zu: Der Versuch, die Direct-To-Disc-Technik allein in Worten zu erklären, ist äußerst schwierig und trocken. Vielleicht haben Sie sich beim Lesen schon gefragt: Was wird denn hier eigentlich wirklich direkt geschnitten? Der Stoff fürs Kleid? Die Wurst fürs Brot? Was bedeutet es, „die Musik in die Lackfolie zu schneiden“?
All das ist schwer vorstellbar – und genau deshalb können Sie es jetzt bei uns im Deutschen Schallplattenmuseum ganz anschaulich erleben.
Das Museum im historischen Kesselhaus lädt Sie ein zu einer spannenden und authentischen Reise durch die Geschichte der TELDEC, durch die Musikkultur und durch die Technik der Tonträgerentwicklung. Anhand unserer Exponate erklären wir anschaulich, wie Schallplatten entstehen – einschließlich der faszinierenden Direktschnitttechnik.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Steckbrief des Tonträgers:
A Song Was Born
25 Jahre Papa Bue & The Viking Jazz Band
Genre: Traditional Jazz
Label: Jeton
Aufnahme: 1. und 2. Mai 1981, Tonstudio Bauer, Ludwigsburg
Tonträger: LP, 150 g, 33 UpM, stereo
Laufzeit: 32:33
Limitierte Auflage: 15.000
Herstellungsland: Deutschland
A1 Stardust
A2 Smiles
A3 My Monday Date
A4 When The Saints
B1 Panama Rag
B2 St. James Infirmary
B3 Dardanella
B4 A Song Was Born