Vor 78 Jahren: Die Geburt der Langspielplatte

Mit der Vorstellung der Columbia LP am 21. Juni 1948 begann eine neue Ära der Tonaufzeichnung. Frühere Langspielplatten gab es bereits, doch erst die Columbia LP machte das Prinzip zum weltweiten Erfolg und ermöglichte es, lange Musikprogramme auf einer einzigen Schallplatte für ein breites Publikum zugänglich zu machen.

Von Norbert Bruhn am
Die erste veröffentlichte 12 Zoll LP
Die erste veröffentlichte 12 Zoll LP

Am 21. Juni 1948 stellte Columbia Records im Waldorf-Astoria-Hotel in New York eine Erfindung vor, die die Musikwelt für Jahrzehnte verändern sollte: die Langspielplatte, kurz LP.

Die erste veröffentlichte 12-Zoll-LP trug die Katalognummer ML 4001 und enthielt Felix Mendelssohns Violinkonzert in e-Moll. Solist war der berühmte Geiger Nathan Milstein, begleitet vom Philharmonic-Symphony Orchestra of New York unter der Leitung von Bruno Walter. Diese Aufnahme gilt heute als die erste klassische Langspielplatte der Schallplattengeschichte.

Gleichzeitig stellte Columbia einen Katalog mit 101 neuen LP-Veröffentlichungen sowie passende Abspielgeräte für das neue Format vor. Columbia zeigte damit von Anfang an, dass die neue LP nicht nur für klassische Musik gedacht war. Zu den ersten Veröffentlichungen gehörte auch „The Voice of Frank Sinatra“ (CL 6001), die erste LP der Unterhaltungsmusik-Serie (Pop-Serie, siehe unten). Damit demonstrierte Columbia, dass die Langspielplatte für alle Musikrichtungen geeignet war – von der klassischen Konzertaufnahme bis zum populären Gesangsstar der Nachkriegszeit.

Peter Carl Goldmark 1948 die Vorteile der neuen Langspielplatte.
Peter Carl Goldmark bei der Vorstellung der LP, 1948. (Columbia/CBS-Werbefoto)

Vor Journalisten aus aller Welt präsentierte Columbia das neue Schallplattensystem. Zu den prägenden Bildern dieser historischen Veranstaltung gehört der Ingenieur und LP-Entwickler Peter Carl Goldmark, der neben einem gewaltigen Stapel von Schellackplatten und Plattenalben fotografiert wurde. Dieser mehrere Meter hohe „Turm“ enthielt dieselbe Musikmenge, die nun auf wenigen neuen Langspielplatten Platz fand. Der Vergleich machte sofort deutlich, welchen Fortschritt die LP bedeutete: weniger Plattenwechsel, längere Spielzeiten und mehr Musik auf einer einzigen Schallplatte.

Die neue „Long Playing Microgroove Record“ lief mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute und bestand aus Vinyl statt Schellack. Durch die wesentlich feinere Mikrorille konnten bis zu 23 Minuten Musik pro Seite gespeichert werden. Erstmals war es möglich, ganze Sinfoniesätze, Konzerte oder umfangreiche Musikprogramme ohne ständiges Wechseln der Platten zu hören.

Was am 21. Juni 1948 im Waldorf-Astoria vorgestellt wurde, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zum weltweit wichtigsten Tonträger des 20. Jahrhunderts. Die Columbia ML 4001 markiert damit den Beginn des LP-Zeitalters – einer Epoche, die die Art und Weise, wie Menschen Musik hören, sammeln und erleben, grundlegend veränderte.

Info: Pop-Serie – das klingt für 1948 etwas seltsam.
Wenn wir heute „Pop-Musik“ hören, denken wir an aktuelle Chartmusik. In den Columbia-Unterlagen bezeichnete man damit aber einfach die Popular Series, also Unterhaltungsmusik im Gegensatz zur klassischen Musik.